Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tour 2011,
Akzeptanz-Tour 2011 - und damit bereits die 12.! Eine Tradition, die Anstöße gibt, verändert und die Menschen bewegt. Ein langer Marsch hin zu größerer Aufgeschlossenheit, größerem Respekt für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Eine Fahrt mit Aktivitäten und Aktionen im Gepäck, die auf lnfoständen, in Workshops und Diskussionsrunden über Leben und Alltag von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen informieren, sowie Jugendliche und Eltem zum Coming-out beraten.
Das ist auch 2011 eine wichtige Tour, deren Anliegen und Ziele ich sehr unterstütze. lch freue mich, wie tatkräftig und ideenreich die Veranstalter dieses Unternehmen realisieren und habe auch in diesem Jahr wieder gern die Schirmhenschaft übemommen. Viele tragen diese Fahrt mit, und ihnen allen gebührt Dank. Doch vor allem danke ich dem Aktionsbündnis AndersARTiG e.V., das die vielfältigen Aktivitäten federführend organisierte und begleiten wird.
Jedes Jahr ging die Tour durch eine andere Region Brandenburgs. Dieses Jahr führt sie vom 3. bis 11. September entlang der deutsch-polnischen Grenze; ihre Stationen sind Forst, Guben, Eisenhüftenstadt, Frankfurt (Oder) und Wriezen. Die meisten Stadtoberhäupter unterstützen die einzelnen Veranstaltungen; so beispielsweise mit dem Hissen der Regenbogenfahne vor den Rathäusern. Auch das ein deutliches Signal dafür, dass in Brandenburg Akzeptanz und Respekt gegenüber anderen Lebensweisen gewachsen sind.
Der diesjährige Abschluss isl ein Novum: Erstmals überschreitet die Tour die Ländergrenze und macht einen Abstecher íns polnische Szczecin. Darüber freue ich mich besonders. Was hier geschieht, ist nicht alltäglich und setzt e¡n wichtiges Zeichen. Denn das Recht eines jeden Menschen auf Würde und Selbstbestimmung gilt global und macht vor Grenzen nicht Halt. Doch noch immer gehört viel Mut dazu, dieses Recht auch tatsächlich einzufordern. Lesben und Schwule, die das couragiert tun, stoßen oft auf Widerstand und riskieren heftige Auseinandersetzung. Gerade in den ehemaligen "Ostblockstaaten" - und auch in Polen - s¡nd Homosexuelle häufìg gewalttätigen Angriffen ausgesetzt und noch weit entfernt von der rechtlichen Gleichstellung. Deshalb ist jede Aktivität willkommen, díe für Aufklärung, Toleranz und Respekt sorgt.
Brandenburg hatte sich früh dazu bekannt, dass Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft oder Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts, ihrer Behinderung oder sexuellen ldentität nicht ungleich behandelt werden dürfen. Unsere Landesverfassung, das Lebenspartnerschafts- und das Gleichbehandlungsgesetz geben dem gle¡chgeschlechtlichen Leben größere Rechtssicherheit. Seitdem vor 10 Jahren die eingetragene Lebenspartnerschaft ermöglicht wurde, hat sich vieles getan - auch in Brandenburg. Homosexuelle Paare sind - bis auf das Steuer- und das Adoptionsrecht - in fast allen Lebensbelangen gleichgestellt. Derzeit befindet sich ein Gesetzentwurf zur vollständigen landesrechtlichen Gleichstellung von Lebenspartnerschaften im parlamentarischen Abstimmungsverfahren.
Doch wir wissen auch, dass das Recht nicht automatisch gesellschaftliche Realität wird. Stabile Fundamente setzen Klarheit in den Köpfen, Respekt füreinander und Solidarität miteinander voraus. Deshalb sind Aktionen wie die "Akzeptanz-Tour" so wichtig. Gerade auch in den ländlichen Regionen, wo die Angst vor Ausgrenzung immer noch größer ist als in den Städten. lch hoffe sehr, dass die Tour mit ihrem vielfältigen Programm von den Kommunen sichtbar unterstiitzt wird; dass sie das Selbstwertgefühl der betroffenen Menschen stärkt und viele anregt, sich unvoreingenommen mit der bunten Vielfalt unseres Lebens auseinanderzusetzen.
lch danke allen hezlich, die beiderseits der Oder diese Fahrt vorbereiteten und unterstützen. Machen Sie auch auf den Stationen lhrer Tour 2011 unmissverständlich deutlich: lntoleranz und Diskriminierung haben keinen Platz in unserem Rechtsstaat. Sorgen Sie mit für ein offenes gesellschaftliches Klima, damit niemand Angst haben muss, "anders" zu sein und jeder die bunte Vielfalt des Lebens respektiert.
lch wünsche lhnen eine gute Fahrt, anregende, interessante Begegnungen und viele lmpulse für die künftige Zusammenarbeit der Vereine und zwischen beiden Ländern!
Mit den besten Grüßen und Wünschen
Ihr Günter Baaske
Minister für Arbeit, Soziales Frauen und Familie des Landes Brandenburg